Dat is scheen hie. im Hunsrück.

Schwankend im Hunsrück

 

Regen. So langsam wird meine Sommertour durch Rheinland-Pfalz zur Regentour. Aber egal. Rheinland-Pfalz ist auch im Regen schön. Nass, aber schön. Heute hat es mich in den Hunsrück verschlagen und zwar in die Gemeinde Mörsdorf. Das knapp 680 Einwohner starke Dorf hat seit 2015 eine eigene Touristenattraktion. 360 Meter lang und 100 Meter über dem Boden führt eine der längsten Hängeseilbrücken Deutschlands über das Mörsdorfer Bachtal: Die Geierlay.  -Benannt nach der Gemarkung, in der sie errichtet wurde. Ich erkenne schnell: Der Vorteil im Regenwetter liegt eindeutig in der Leere auf der Brücke. Zeitweise schlendern Sabrina und ich alleine auf den etwa 85 Zentimeter breiten Holzplanken über das Tal hinweg. Wobei "schlendern" nicht ganz richtig ist. Für mich als Mensch, der schwindel- und höhenangstfrei ist, ist es ganz gemütlich. Zeitweise schwankt die Brücke etwas, aber ich vertraue fest in die Ingenieurkunst und in die diversen Drahtseile, die die Brücke sicher halten. Wer unter Höhenangst leidet, kommt auch auf die andere Seite, wenn auch mit leicht zittrigen Knien und der Hand fest am Handlauf. - So versichert Sabrina es mir. Der Ausblick auf der Brücke, hinein ins bewaldete Tal, ist auf jeden Fall auch bei Regenwetter den Besuch auf der Brücke wert. 

 

Wie man zur Brücke kommt:

Ich habe am Besucherzentrum mein Auto geparkt (kostenpflichtig) und mich mit einer Karte ausgerüstet. Es geht rund 1,7 km mitten durch das Dörfchen Mörsdorf und schließlich auf einem befestigten Feldweg zur Brücke. Unterwegs gibt es auch die eine oder andere Bank zum Ausruhen. Nett gemacht sind auch die Lernschilder am Wegesrand, wo Kinder (und Erwachsene) lernen können, wie das beispielsweise mit der Windkraft funktioniert. Es gibt auch Rundwanderwege, die zur Brücke führen, von denen ich aber aufgrund des Wetters abgesehen habe. Der Weg, den ich gewählt habe, ist auch für mobilitätseingeschränkte Menschen geeignet, was aber nicht auf alle Wanderwege zutrifft. Hinweisschilder zeigen die Eignung an (und mahnen auch vor der Nutzung von Stöckelschuhen). Infos gibt es am Besucherzentrum. Die Brücke kann kostenfrei begangen werden und hat ganzjährig geöffnet. Läuft man direkt zur Brücke, dann dauert der Weg vom Besucherzentrum zur Brücke, ein Übergang in beide Richtungen und wieder zurück zum Zentrum etwa 1 1/2 Stunden.

 

Man hat also genug Zeit, noch einen Abstecher in die Umgebung zu machen. Zum Beispiel ins Kreisstädtchen Simmern. Hier kann man erstens ganz gut zu Mittag essen und zweitens sich noch eine Portion Kultur gönnen. Ich besuchte das Hunsrück-Museum und den Schinderhannes-Turm. 

 

"Heimat"- Eine Region im Filmfieber 

 

Das Hunsrück-Museum ist ein Regionalmuseum und zeichnet sich durch eine beachtenswerte Fossiliensammlung und den Kunstnachlass des Malers Friedrich Karl Ströher aus. Auch Sonderausstellungen (natürlich aktuell zur Reformation) finden hier eine Heimat.Für zwei Euro Eintritt pro Besucher wird einem ein liebevoll gestaltetes Museum mit "Anfass"-Charakter geboten.

- Und apropos "Heimat": Wahrscheinlich jeder Hunsrücker (und auch viele andere Rheinland-Pfälzer) kennen die Filmreihe "Heimat" des Regisseurs Edgar Reitz. Zahlreiche Requisiten können im Museum bestaunt werden.

Besonders nett war, dass die Historikerin Angie Hoffmann, die aus einem der Dörfer, in denen der Film gedreht wurde stammt, sich die Zeit nahm und uns davon berichtete, was die Dreharbeiten vor Ort im Örtchen Gehlweiler beispielsweise bedeuteten, nämlich auch lehmverschmierte Straßen, Kunstschneebedeckte Dächer im Sommer und auch viele Set-Besucher. 

 

 

"Robin Hood vom Hunsrück" 

Ein anderes Werk, das den Hunsrück (zumindest in Teilen) thematisiert, ist der "Schinderhannes"-Film aus dem Jahr 1958 mit Curd Jürgens und Maria Schell, zu dem sich auch einiges an Material im Museum findet.

Der "Schinderhannes" ging als "Robin Hood vom Hunsrück" in die Annalen ein. - Auch wenn das nur eine romantisierte Legende darstellt. Der Schinderhannes, oder bürgerlich Johannes Bückler, war weder auf einem Kriegszug gegen Reiche, noch ein Wohltäter der Armen. Selbst die ärmste Bevölkerung hatte ein negatives Bild vom Räuber, dem 211 Straftaten (meist Diebstähle, Erpressung und Raubüberfalle) nachgewiesen wurden. 1799 konnte der Schinderhannes zunächst festgesetzt und im Gefängnisturm (heute "Schinderhannesturm") eingesperrt werden. Er entkam auf legendäre Art und Weise, nämlich indem er die Türbretter seiner Zelle mit einem Messer durchtrennte und sie wieder mit gekautem Brot verklebte. Bei einer günstigen Gelegenheit gelang ihm so die Flucht. 3 weitere Jahre plünderte und raubte er mit seiner Bande, bis er schließlich 1802 erneut gefasst wurde. Man brachte ihn ins französische Mainz, wo er im Holzturm inhaftiert wurde. Im dortigen Kurfürstlichen Schloss wurde ihm schließlich der Prozess gemacht. - Der mit seinem Todesurteil endete. Seine Hinrichtung (und die seiner Bande) wollten so viele Schaulustige sehen, dass die Guillotine nicht wie gewöhnlich am Mainzer Gautor, sondern am Neutor aufgestellt wurde, wo die etwa 30 000 Zuschauer Platz fanden.  

 

Den historischen Schinderhannesturm in Simmern kann man heute kostenfrei besichtigen. Er dient im Wesentlichen als Veranstaltungs- und Ausstellungsort. Exponate und Ausstellungsstücke, wie der Schinderhannes-Hut können bestaunt werden. Darunter befindet sich aber auch Einiges an zeitgenössischeren Gegenständen, die beschreiben, wie die Region den "Schinderhannes" als Brot oder Bier zur Marke machte. 

 

 

 

Mehr zur Hängeseilbrücke und zum Besucherzentrum gibt es hier: www.geierlay.de

Und mehr zum Hunsrück: www.hunsruecktouristik.de

Zum Hunsrück-Museum: www.hunsrueck-museum.de

Und zum Schinderhannes-Turm: https://www.simmern.de/kultur/freizeitgestaltung/sehenswuerdigkeiten/der-schinderhannesturm 

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