Rafting zur Loreley

Zu Besuch bei der singenden Nixe

Heinrich Heine hat sie einst besungen als "schönste Jungfrau", die Haare kämmend und singend die armen Schiffer so ablenkte, dass sie auf Riffe aufliefen. Für Clemens Brentano war sie eine Zauberin, die mit ihrer Schönheit allen Männern den Verstand raubte und ihrer Wirkung auf selbige irgendwann so überdrüssig war, dass sie sich bei Bacharach vom Felsen in den Rhein stürzte. In einem anderen Werk, dem "Rheinmärchen", macht er sie zur Feengestalt, die, man ahnt es: Männern den Tod bringt. Auch hier kämmend und singend. Zeit, diese sagenumwobene Gestalt einmal zu besuchen. Und zwar, wie könnte es anders sein. zu Wasser.

Auf ins Mittelrheintal. Hier, zwischen Bacharach und Koblenz, steht alles im Zeichen der Rheinromantik. Alte Burgen (nur wenige stammen übrigens aus dem Mittelalter. Ein nicht unbeachtlicher Teil ist ein Produkt des 19. Jahrhunderts, eben im Zuge jener Rheinromantik), die auf Felsen thronen, rebbewachsene Hänge, der sich windende Rhein: Es ist zweifelsohne schön im Unesco Welterbe. Und,wenn man ganz ehrlich ist, ein bisschen old-school. Ein Beispiel: Die zahlreichen Ausflugslokale. Sie heißen "Rheingold", "Rheinglück" oder "Zur Loreley", "Loreleyblick", "Loreleyhaus", "Café Loreley" und ähnliches. In der Location, in die ich gelange, herrscht ein bisschen Flair der 60er, aber der Blick auf den Rhein ist herrlich. Auf ihm, unserem wichtigsten Fluss, schippern die Ausflugsdampfer gemächlich entlang. Wäre ich aus dem Ausland, dann würde ich mir irgendwie Deutschland genauso vorstellen. Urig, gemütlich und ein bisschen mit der Schwere der Dichter und Denker, die einer Frau, die gerne Männer in den Tod riss, gefühlt mehr als die Hälfte ihrer Gastronomie gewidmet haben. Zeit, dieses herrliche Fleckchen mal von einer anderen Seite zu sehen. 

 

 

 

"Wir werden wahrscheinlich nicht kentern"

 

Im Örtchen Kaub (Landkreis Rhein-Lahn) kann man diverse Ausflugsdampfer besteigen. Oder man entscheidet sich für Rafts (Schlauchboote). Jetzt muss man darauf hinweisen, dass der Rhein zwar aufgrund seiner Strömungen nicht ganz ungefährlich ist, aber um ein tosendes Wildwasser handelt es sich nicht. Alle Bilder, die man vom Rafting im Kopf hat, wie das Hinabfahren von Wasserfällen und kenternde Boote kann man getrost vergessen. Bei Rafting-Mittelrhein kann man sich an die Sportart herantasten. Wir sind zwei Gruppen in einem 10er und einem 16er Boot und haben zwei erfahrene Steuermänner dabei, die uns souverän einweisen, auf mögliche Eventualitäten hinweisen und versichern, dass die Wahrscheinlichkeit des Kenterns nicht so hoch ist.

Auf dem Rand des Schlauchbootes sitzend geht es los. Wir paddeln eifrig, machen aber auch viele kleine Pausen, in denen man sich treiben lassen kann. An einem kleinen versteckten Sandstrand gehen wir auch an Land. Wer mag, kann im Rhein schwimmen gehen. Das Wasser hat etwa 20 Grad. Bei dieser Temperatur verschmerzt man es auch, wenn man beim "Rodeo" den Abgang gemacht hat und vom Boot gefallen ist. (Das "Rodeo" ist freiwillig. Es besteht darin, dass man auf dem Rand des Bootes steht, dass die Mitfahrer mit ihren Paddeln schnell im Kreis drehen lassen).

Der Rhein hat eine rasche Strömung. 12 Stundenkilometer erreicht man ohne große Anstrengung im Schlauchboot. Es bleibt aber ungefährlich, wenn man sich an die Anweisungen der Guides hält und den Abstand zu den Bojen und vor allem zu den berühmt berüchtigten Ausflugsdampfern wahrt.  

Nach etwa 1 1/2 Stunden erreicht man sie: Die Loreley. Ein Schieferfelsen (Rheinkilometer 555), der 132 Meter hoch steil aufragt. Hier soll sie sitzen. Und sich kämmen. Und singen. Tut sie allerdings gerade nicht. Der Felsen ist leer. 

 

 

"Das hat die Loreley (wahrscheinlich nicht) getan"

 

Die Enge der Passage oder besondere Wasserstände: Für die Schifffahrt ist das Areal am Felsen nach wie vor nicht ungefährlich.- Auch wenn die gefährlichsten Felsen in der Fahrwasser gesprengt wurden. Und prompt ruft uns auch die Wasserpolizei zu, dass wir vorsichtig sein sollen. Ein Schiff ist auf Felsen aufgelaufen.- Wenn auch einige Meter vor der Loreley. Es lag wohl weniger am verzaubernden Gesang als mehr am Übersehen der Bojen, was der Legende aber keinen Abbruch tut. Wir lauschen weiter. Aber nichts. Die Loreley bleibt stumm. Man sieht sie hoch oben auf dem Felsen nicht einmal. Dafür aber weiter unten. Auf der Hafenmole des Loreleyhafens thront sie. In Bronze gegossen. Sie kämmt allerdings nicht ihre Haare, sondern schaut verschämt nach unten. Vielleicht hat sie ein schlechtes Gewissen. Wegen der Morde und so.

 

In Sankt Goarshausen endet dann auch die Tour. 10 Kilometer sind wir gepaddelt. Eine schöne Strecke, dank der Strömung recht leicht zu bewältigen.

 

Erwachsene zahlen für diese Tour 27 Euro. Sie dauert 2- 2 1/2 Stunden, eine Pause inklusive. Das Team ist nett und man wird gut eingeführt ins Rafting.

Wer die Loreley einmal etwas "frischer" erobern möchte, ist hier genau richtig.  

 

 

Mehr zum Rafting im Mittelrheintal: www.mittelrhein-rafting.de/

Heinrich Heines Loreley: https://de.wikisource.org/wiki/Ich_weiß_nicht,_was_soll_es_bedeuten

Mehr zum Welterbe: www.welterbe-mittelrheintal.de/

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